Von Auschwitz schweigen: Sprachlosigkeit und Shoah

1. Einleitung
Schweigen erscheint im Diskurs über die Shoah gleichermaßen als Last (nicht sprechen zu können [1] ) wie als Entlastung (nicht sprechen zu müssen, als Selbstschutzfunktion von Tätern und Opfern), als Verbot (die Geschehnisse nicht sprechend zu ent- oder verstellen) wie als Gebot (die Pflicht, das Gedenken sprechend zu aktualisieren). Es erscheint als Wegschweigen, als Leugnung der Existenz von Vernichtungslagern, Unterlassung von Hilfeleistung und Widerstand der Deutschen im dritten Reich; als Sprachlosigkeit der Opfer, die das ihnen in den Lagern zugefügte Leid nicht mitteilen können; als Verweigerung der Täter, die sich aus Schuld, Scham und Angst nicht erinnern, die nicht berichten wollen. Das Schweigen resultiert aus der Vorsicht, die singuläre Katastrophe, das beispiellose Menschheitsverbrechen durch unangemessenes Sprechen zu verharmlosen oder zu verzerren, und ist Symptom des Überwältigt-Seins von den Gräueln des Nazi-Regimes, von der systematischen Ermordung der europäischen Juden. Nicht zuletzt prägt jede Darstellung nach Auschwitz ein tiefes Misstrauen der deutschen Sprache gegenüber, auf der und mit welcher die Nationalsozialisten ihr ideologisches Gebäude errichteten. Deutsches Sprechen und Denken erscheint als unendlich verstrickt in das Verbrechen: Das Vertrauen in Sprache und Logik als Mittel zur Orientierung in der Welt ist erschüttert. Die sprachlichen Register erscheinen durchsetzt von ideologisch kontaminierten Begriffen, die nur mehr ihre verbrecherische Gewaltgeschichte bezeichnen können.

Die vielen Versuche der Darstellung der Shoah scheinen dafür zu sprechen, dass das Argument der Undarstellbarkeit sich nicht auf die Kompetenz zur Darstellung bezieht, sondern auf deren Angemessenheit und die Möglichkeit einer umgreifenden Gesamtdarstellung, welche die Shoah in Gänze fassbar und begreiflich machen könnte. Shoah ist insofern darstellbar, als Aspekte der Shoah sehr wohl dargestellt werden können; die Shoah aber, die Gesamtheit des Phänomens, ist undarstellbar. Wenngleich das für alle historischen Ereignisse angenommen werden muss, gilt es hier in besonderem Maße. Dafür spricht nicht nur die historische Beispiellosigkeit der Grausamkeit der Judenvernichtung als industrielle Produktion von identitätslosen Leichen, sondern auch die Figur des Muselmanns, des lebenden Toten, des alles Menschlichen Beraubten. Der Muselmann, nach Primo Levi der „Nerv des Lagers“ [2] , steht außerhalb der Sprache, seine Erfahrung ist sprachlich nicht einholbar. Der Muselmann bewohnt den Ort, auf den das Leben der Inhaftierten im Lager sich hin organisiert, ein Ort außerhalb der Sprache, den kein Bewusstsein bewohnt, das eine Erfahrung machen, für sich und andere versprachlichen und somit das Geschehen der Shoah bezeugen könnte, so Giorgio Agambens Interpretation.

In diesem Artikel möchten wir zwei Momente des Schweigens im Kontext der Shoah untersuchen: In einem ersten Schritt werden wir die systematische Zerstörung der Sprache der Inhaftierten in den Lagern am Zeugenbericht IST DAS EIN MENSCH? des Auschwitz-Überlebenden Primo Levi nachzeichnen und anhand der Texte WAS VON AUSCHWITZ BLEIBT [3]  von Giorgio Agamben und DAS DARSTELLUNGSVERBOT [4]  von Jean-Luc Nancy diskutieren. In einem zweiten Schritt sollen zwei Versuche dargestellt werden, das Schweigen über Auschwitz zu brechen und eine Sprache zu finden, mit der im Bewusstsein der Mittel von Auschwitz gesprochen werden kann: Das erst in den 80er Jahren in den öffentlichen Sprachgebrauch eingegangene Wort Shoah und das 2005 eröffnete DENKMAL FÜR DIE ERMORDETEN JUDEN EUROPAS werden wir als Versuche lesen, einen Bruch, eine Lücke, ein Schweigen in das Sprechen über und das Erinnern an die Shoah einzulassen.

Um das diskursive Feld zu eröffnen, möchten wir zunächst zwei Ansätze darstellen, mit denen wir mögliche Gründe für das Problem des Sprechens über Auschwitz aufzeigen wollen: Jean-Luc Nancy sieht dieses in einem säkularisierten biblischen Darstellungsverbot verwurzelt; mit Jacques Derrida wollen wir herausstellen, dass jede sprachliche Darstellung ihren Gegenstand ver- und entstellt. Dieser Umstand, der sich prinzipiell auf jegliches Sprechen bezieht, wiegt im Umgang mit der Shoah besonders schwer.

2. Undarstellbarkeit der Shoah als Darstellungsverbot oder Unmöglichkeit der Darstellung, Jean-Luc Nancy und Jacques Derrida

2.1 Darstellungsverbot, Jean-Luc Nancy
In seinem Aufsatz DAS DARSTELLUNGSVERBOT diskutiert Jean-Luc Nancy die im Diskurs über die Shoah verbreitete These von der Undarstellbarkeit der Lager. Er findet die Undarstellbarkeit weniger in der Unmöglichkeit der Darstellung begründet, als vielmehr in ihrer Unrechtmäßigkeit. Im Recht, gegen das die Darstellung verstößt, liest Nancy die säkularisierte Fassung des biblischen Darstellungsverbots. Er weist darauf hin, dass das Darstellungsverbot dort aber keinen Ikonoklasmus begründet. Das biblische Verbot bezieht sich auf die Herstellung von Götzen, nicht von Bildern. Unter Bild versteht Nancy „Bild von etwas“, in seinen Worten die „Präsentation einer offen bleibenden Absenz“ [5] . Während die Götze sich als eine abgeschlossene Präsenz gibt, präsentiert das Bild etwas, das sich nicht unter eine gegebene Präsenz subsumieren lässt. Das Bild ist also eine Darstellung, die ein Abwesendes bedeutet, dieses als Abwesendes vergegenwärtigt, ohne es in sichzu versammeln, sich an dessen Stelle zu setzen. Das Götzenbild hingegen ist ein hergestellter Gott:

Es ist ein Bild, das für sich selbst steht und nichts anderes darstellt, […] das, was in sich selbst eine stehende, eine gewissermaßen reine Präsenz bildet, eine massige Präsenz, die sich auf das Da-Sein beschränkt. [6]

Dem biblischen Darstellungsverbot ist also ein Begriff von Darstellung zu Grunde gelegt, der die Herstellung von Götzen bezeichnet, nicht aber die bildliche Darstellung im Sinn der Repräsentation. Das Darstellungsverbot biblischer Herkunft gebietet also keinesfalls zu schweigen, sondern verbietet es, verschwiegene Götzenbilder herzustellen und das bedeutete Geschehen im Werk versammeln und fest-setzen zu wollen.

In Nancys Beschreibung erscheinen schließlich drei Denkfiguren: das Götzenbild ist eine in sich verschlossene Präsenz; die Repräsentation ist ein Bezug auf ein Abwesendes durch ein Zeichen – hinzu kommt die Figur des Heiligen. Das Heilige zeichnet sich dadurch aus, dass es nur in seinem Entzug gegeben ist, es ist nur anwesend im Bewusstsein seiner Abwesenheit und Unverfügbarkeit. Über das Heilige kann nur die Aussage getroffen werden, dass man über das Heilige keine Aussage treffen kann. Eine rechtmäßige Darstellung der Shoah müsste diesen Denkfiguren folgend also eine Repräsentation sein, die auf eine Abwesenheit verweist; sie darf die Geschehnisse weder als völlig unverfügbar heiligen, noch als in sich abgeschlossene, vollendete Präsenz fixieren. Diesen Gedanken werden wir übernehmen, wenn wir über Formen des Darstellens, Erinnerns, Mahnens – über das Wort Shoah und über das Denkmal für die ermordeten Juden Europas – sprechen. [7]

2.2 Unmöglichkeit der Darstellung, Jacques Derrida
Inwieweit hat die These der Undarstellbarkeit mit der Unmöglichkeit der Darstellung zu tun? Jacques Derrida definiert die Iterierbarkeit des Signifikanten und dessen Verschiebung/Aufschub als wesentliche Momente von Schrift und damit von Sprache. Er fasst beide Momente unter dem Begriff der Différance zusammen. [8]  Die Bezeichnung Iteration geht auf das lateinische Iterum (von neuem) zurück, trägt aber auch itara in sich, was in Sanskrit anders bedeutet: in ihr verbindet sich die Wiederholung mit der Veränderung.

Der These Austins, dass eine Äußerung, wenn sie auf einer Bühne getan wird, uneigentlich sei, weil zitiert, entgegnet Derrida, dass jede Äußerung notwendig ohne Eigentlichkeit sei. Sie müsse, um verständlich zu sein, einen zitathaften Charakter haben. Derrida beschreibt performative Äußerungen – und jede Aussage hat auch performativen Charakter – als „bestimmte Modifikation einer allgemeinen Zitathaftigkeit – einer allgemeinen Iterierbarkeit“ [9] . Weiter noch ist die Sprache dem sprechenden Subjekt durch den je anderen und nie vollständig bestimmbaren Kontext der Aussage enteignet: Der Kontext ist nie stimmig. Durch die notwendige Iterierbarkeit von sprachlichen Zeichen verschieben sich die Bedeutungen von Äußerungen immer wieder und lassen sich nicht vollständig den Intentionen des äußernden Subjekts unterwerfen. Zudem sind die Sphäre der Worte und die der Dinge konstitutiv voneinander getrennt. Das Wort berührt nicht das Ding, sondern andere Worte. Sprachliche Zeichen erzeugen, so Derrida, nur in der Differenz zueinander Bedeutung, nie durch den Bezug auf ein abwesendes Gemeintes. Das Gemeinte ist immer nur als Spur anwesend, es kann immer nur durch andere Worte bezeichnet werden. Die Différance als Ereignis der Schrift und damit aller Sprache enteignet die Erfahrung im Sprechen.

Diese sprachphilosophischen Beschreibungen berühren in besonderem Maße das Sprechen von der Shoah. Zunächst einmal stellt diese Theorie die Frage nach der Möglichkeit von Erfindung in der Sprache, da sie die evolutionäre Entwicklung von Sprache betont. Die nationalsozialistische Ideologie fußte auf Ideen, die seit Jahrhunderten dem deutschen Denken eigneten. Der amerikanische Historiker Raul Hilberg diskutiert im Gespräch mit Claude Lanzmann die Entstehung der nationalsozialistischen Ideologie als spezifisches Verhältnis von Kontinuität und Erfindung:

Sie [die Nazis] haben sehr wenig erfunden, nicht einmal ihr Bild vom Juden, sie haben es aus Texten geborgt, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. So haben sie sich sogar in ihrer Propaganda, dem Reich der Vorstellungskraft und Erfindung, auffallend auf den Spuren ihrer Vorgänger bewegt, von Martin Luther bis ins 19. Jahrhundert. Auch da haben sie noch nichts erfunden. Mit der Endlösung hingegen wurden sie zu Erfindern. Das war ihre große Erfindung, und von da an unterscheidet sich die Entwicklung von allem, was es jemals vorher gegeben hatte. Als die Endlösung beschlossen wurde, oder, um es genauer zu sagen, als die Bürokratie sie zu ihrer Sache machte, war das ein Wendepunkt in der Geschichte. Selbst hier würde ich eine logische Entwicklung sehen, die ihre Steigerung erfuhr in dem, was man den Höhepunkt nennen könnte. Denn von den frühesten Zeiten, vom vierten, fünften oder sechsten Jahrhundert an, hatten die christlichen Missionare gesagt: „Ihr könnt unter uns nicht als Juden leben.“ Die weltlichen Herrscher, die ihnen vom Spätmittelalter an folgten, entschieden: „Ihr dürft nicht unter uns leben.“ Und die Nazis beschlossen: „Ihr dürft nicht leben.“ [10]

Dieser Analyse von Hilberg folgend kann die Shoah weder als Unfall der Geschichte noch als unvermeidliche Konsequenz der neuzeitlichen Entwicklung Deutschlands behandelt werden. Weiter ist die Sprache, in der die Shoah entworfen wurde, weitgehend identisch mit der Sprache, die unser Denken und Handeln heute strukturiert. Nicht nur metaphorisch zieht sich eine Spur durch die Geschichte, vom nationalsozialistischen Regime zu uns, sondern auch materialiter in der Sprache.
Die Différance impliziert, dass jede Aussage sich von der Bedeutung der Erfahrung oder Aussage, auf die sie sich bezieht, notwendig entfernt. Jede Schrift – für Derrida eignet jeder sprachlichen Äußerung das Wesen der Schrift – ist ein Überschreiben, das das Bezeichnete, so wie es in vorherigen Aussagen gezeichnet wurde, ent-stellt und ver-stellt. Die Wiederholung verbindet sich also notwendig mit der Veränderung. Sprechen und Schreiben verschieben und schieben auf. Damit lässt sich die Sonderstellung erklären, die im Diskurs über die Shoah die Zeugnisse der wenigen Überlebenden der Lager einnehmen. Ein großer Teil der Publikationen zum Thema lassen die Zeugen sprechen; WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen nehmen eine Herausgeberfunktion ein. Dem Zeugnis der Lagererfahrung eignet eine besondere Autorität. Claude Lanzmanns Film SHOAH, in dem Überlebende der Lager vor der Kamera teils erstmals ihr Schweigen von den Lagern brechen und detaillierte Schilderungen von Situationen aus dem Leben dort geben, bezieht seine Aussagekraft aus diesem Umstand. Es herrscht eine große Vorsicht im Umgang mit den Zeugnissen und mit der Behauptung einer zweiten Sprache, die die Dokumente kommentiert und sortiert. Umso mehr sucht der Diskurs die Zeugenaussagen Überlebender als erste Sprache von den Lagern auf. Hierin kann das Bewusstsein vermutet werden, dass jedes Sprechen das Besprochene ver- und ent-stellt und die Vorsicht, die Wahrheit der Lager, wie sie in den Berichten zu uns spricht, nicht durch ein Korsett von starren interpretativen Bezügen festzusetzen und zum Verstummen zu bringen.

Der Aspekt der Iterabilität von Sprache stellt jedoch auch für Überlebende der Lager ein Hindernis dar, Zeugnis abzulegen. Das sprachliche Register stellte keine Worte zur Verfügung, die das, was die Inhaftierten in den Lagern erlebten, ausdrücken könnten. Gäbe es die Worte, so könnte niemand ihren Sinn verstehen. Sprache setzt bis zu einem gewissen Grad einen gemeinsamen Erfahrungshorizont der Sprecher voraus. Eine singuläre Erfahrung kann nicht bezeichnet werden, denn das Wort zur Bezeichnung muss prinzipiell vorgängig sein. Das Beispiellose ist nicht verbalisierbar. Diese allgemeinen sprachphilosophischen Betrachtungen von Jacques Derrida haben eine besondere Brisanz im Diskurs über die Darstellung der Shoah: Die Schwierigkeit, vor welche die Iterabilität der Sprache diejenigen stellt, die über die Shoah sprechen, hängt mit der zu Recht immer wieder betonten Einzigartigkeit des Geschehens zusammen. Dass die Shoah als singulär aus der Menge der Genozide und historischen Menschheitsverbrechen herauszustellen ist, wird begründet mit dem schieren Ausmaß des Verbrechens, der bürokratischen Systematik, mit der der Völkermord verübt wurde, aber auch mit der Funktionslosigkeit der Shoah in Bezug auf die Kriegsführung, die die Annahme nahe legt, dass sich das deutsche Reich in der Vernichtung seiner Opfer jeder Vielheit entledigen wollte, um sich im arischen Volkskörper universal selbst zu begegnen. [11]  Beispiellos scheint auch die systematische Auslöschung des Menschlichen in den Deportierten, die vorzeitige Tötung des Lebendigen in den noch Lebenden, ein Morden, das den Tod nicht als solchen in Erscheinung treten lässt, das den Tod selbst zerstört. Wie also lässt sich ein Geschehnis bezeichnen, das singulär erscheint? Inwiefern dafür das sprachliche Register im Diskurs der Shoah um Fremd-Worte wie Holocaust oder Shoaherweitert wird, werden wir in Kapitel 4.1 noch genauer untersuchen. Auch die Bezeichnung Auschwitz ist in diesem Zusammenhang zu nennen, der Name eines einmaligen Ortes, der nun für sehr viel mehr steht, als für eine bestimmte Kleinstadt in Polen.

3. Die systematische Zerstörung der Sprache in Auschwitz, Primo Levi
Primo Levi, Sohn einer jüdischen Familie aus Turin, schließt sich im Herbst 1943 einer antifaschistischen Partisanengruppe an und wird bald darauf von der faschistischen Miliz gefangen genommen. Am 11. Februar 1944 wird er nach Auschwitz deportiert. Er überlebt das Lager. IST DAS EIN MENSCH? [12] , ein „autobiografischer Bericht“ über sein Leben und Überleben in Auschwitz, erscheint 1947. Im Folgenden möchten wir anhand dieses Textes diskutieren, wie und inwieweit in Auschwitz durch die Zerstörung der Sprache jede menschliche Regung der Deportierten ausgelöscht wird, um die Inhaftierten dann einem beiläufigen Tod zu überlassen. Primo Levi beschreibt das Lager als eine „Welt der Verneinung“ [13] , als Ort „eines geometrisch konzipierten Irrsinns und eines fremden Willens, uns zunächst als Menschen zu vernichten, um uns dann einen langen Tod zu bereiten“ [14] .
Auschwitz kann Levi zufolge als eine technische Apparatur zur systematischen Auslöschung von Sprache und Bewusstsein der Inhaftierten – von Repräsentation also – beschrieben werden. Dieser Auslöschung folgt das Leben in einer Sphäre außerhalb der Repräsentierbarkeit. Durch die fast vollständige Vernichtung der Sprache der Opfer und der anwesend-ausführenden Täter hat nur eine Sprache vom Lager die Lager überlebt: die instrumentelle Sprache, in der die Shoah entworfen wurde. Die wenigen Zeugnisse der Überlebenden, die vom Lager berichten, bilden die Ausnahme. Aus ihnen lässt sich ablesen, dass das, was die inhaftierten Opfer in den Lagern erleben mussten, nur schwer bezeichnet werden konnte, da sie kaum Bewusstsein hatten, das aus dem Erlebten eine Erfahrung synthetisieren könnte, und die Täter sich gegen jede menschliche Regung immunisiert hatten, indem sie die Opfer als Nicht-Menschen erschufen und sich als Unmenschen.

3.1 Eingliederung
Der „Eingliederungsprozeß“ [15]  beginnt bereits mit der Deportation, die die Deportierten aus den gewohnten Zusammenhängen des alltäglichen Lebens gewaltsam herausreißt und in einen gesonderten Bereich versetzt, gesondert von dem sie umgebenden Leben außerhalb der Waggonwand und des Zauns, gesondert von Humanität und Recht. Die Metamorphose des Deportierten in einen KZ-Häftling geht systematisch vonstatten. Die Deportierten werden der Merkmale beraubt, die im Alltag eine Person bezeichnen, die Distinktionen zwischen Menschen erlauben, etwa Alter, Klasse, Aussehen, auch Herkunft und Sprache: die Kleidung wird durch einheitlich gestreifte Anzüge ersetzt, die Haare werden geschoren, alles Eigentum genommen – binnen kürzester Zeit verändert sich die Physiognomie der durch dauerhafte Unterernährung, Durst, Schlaflosigkeit und physische Überforderung ausgezehrten Körper und Gesichter, bis nicht einmal das Alter der Person am äußeren Anschein ablesbar ist. Bereits am Ende der Prozedur zur äußerlichen Vereinheitlichung der Inhaftierten bemerkt Levi:

Es gibt nichts worin wir uns spiegeln könnten, und doch haben wir unser Ebenbild vor Augen, es bietet sich uns in hundert leichenblassen Gesichtern dar, in hundert elenden und schmierigen Gliederpuppen. So sind wir nun in ebensolche Gespenster verwandelt, wie wir sie gestern abend gesehen haben. [16]

Worte wie Gliederpuppe und Gespenst weisen darauf hin, dass mit der Individualität der menschlichen Person das Selbstempfinden als Person und Mensch ausgelöscht wird. Die Prozedur der „Eingliederung“ zerstört systematisch das menschliche Antlitz, dem gegenüber die deutschen Bürokraten, Schänder und Mörder Scham oder Mitgefühl hätten empfinden können.

3.2 Name und Nummer
Auch der Name, Vermächtnis der Eltern und Träger einer komplexen kulturellen Semantik, wird durch ein Lageräquivalent ersetzt: die fortlaufende Nummer. Levi beschreibt: „Mein Name ist 174517: wir wurden getauft und unser Leben lang werden wir das tätowierte Mal auf dem Arm tragen.“ [17]  Wie in der Taufe markiert auch dieser Benennungsritus die Auslöschung des alten und den Beginn eines neuen Seins, das einem anderen Gesetz unterworfen ist.

Die im Eigennamen transportierte kulturelle Heimat seines Trägers und damit eine Logik, die der Welt außerhalb des Lagers entstammt, wird ausgelöscht. Die Nummer, die ihn ersetzt, spricht von der instrumentellen Logik des Lagers. Sie bezeichnet den Moment des Eintritts in die Lager-Logik und greift so, im Medium der Tätowierung, auf den Körper und die Identität des Inhaftierten zu. Der Inhaftierte kann seine Nummer nicht verschweigen, denn sein Körper ist mit dem Faktum und Datum seiner Eingliederung in die instrumentelle Techno-Logik des Lagers beschriftet. Die Körper der Inhaftierten sind Medium und Gegenstand der menschenverachtenden bürokratischen Schrift des Lagers. Die Identifikation des Inhaftierten mit der Nummer erfährt jeden Tag im morgendlichen Appell ihre Aktualisierung. Die Inhaftierten müssen antreten, um sich zählen zu lassen, eine Prozedur, die oft mehrere Stunden dauert. Die Verwaltung des Lagers macht in der bürokratischen Bezeichnung und Behandlung keinen Unterschied zwischen den Inhaftierten und unbelebten Instrumenten im Dienst des Arbeitslagers. Levi bemerkt im Hinblick auf die Buna-Fabrikstadt: „Ihre Straßen und Bauten werden mit Zahlen oder Buchstaben benannt wie wir, wenn sie nicht unmenschliche und unheilvolle Namen tragen. […] Nichts lebt hier, nur Maschinen und Sklaven: und jene mehr als diese.“ [18]
Eine grausame Ironie liegt in dem Umstand, dass die Inhaftierten den Klang ihrer Nummer in deutscher Sprache schmerzhaft lernen müssen, obschon Inhaftierte aller Sprachen die Ziffern gleichermaßen lesen können.

3.3 Fremd-Sprache im Lager
Die Ankunft des Deportationszugs am Bahnhof Auschwitz beschreibt Levi wie folgt: „Die Tür wurde krachend aufgetan, das Dunkel hallte wieder von fremden Befehlen, jenem barbarischen Gebell kommandierender Deutscher, die sich eines jahrhundertealten Ingrimms zu entledigen schienen.“ [19]  Augenblicklich müssen die Inhaftierten lernen, Befehle zu befolgen, die sie nicht verstehen. Die SS spricht ausschließlich Deutsch, für die italienischen Deportierten eine völlig unverständliche Sprache; ein Inhaftierter übersetzt, allerdings nur in eine Richtung: aus dem Deutschen ins Italienische. Die Deportierten empfangen Sätze, ihre werden nicht gehört. Sie müssen gehorchen – horchen auf Befehle in Fremdsprache, auf Worte, die ihren Sinn in sich verbergen, nichtsdestoweniger gesetzeskräftig sind. Das Gesetz ist in unverständlicher Sprache erlassen, Nichtbefolgung wird grausam bestraft. Die Inhaftierten erlernen deutsche Worte, die ihnen nichts bedeuten; ihre Bedeutung erfahren sie erst, wenn überhaupt, nach dem Verstoß gegen das unerklärte Gesetz, durch die Strafe. Levi schreibt:

[D]ie Sprachverwirrung gehört zu den Hauptbestandteilen der Lebensweise hier unten; man ist von einem fortwährenden Babel umgeben, wo sie alle in niemals zuvor gehörten Sprachen Befehle und Drohungen schreien, und wehe dem der nicht im Flug begreift. Keiner hat hier Zeit […] und keiner hört dich an. [20]

3.4 Unzulänglichkeit und Nutzlosigkeit von Sprache und Sprechen
Die Sprachlosigkeit in Auschwitz ist nicht nur Ergebnis einer Aphasie aufgrund physischer Schwäche oder eines traumatischen Sprachverlusts, wie sie für die Schwächsten der Lager, die sogenannten Muselmänner, beschrieben wird, sondern auch Ergebnis der Nutzlosigkeit von Reflexion und Kommunikation. Die Reflexion des Erlebten wird ausgezehrt durch die Monotonie, in der das Lagerleben sich abspielt. Aus der ewigen Wiederholung des Immergleichen lässt sich ein Erlebnis nicht als Erfahrung isolieren und in der Erinnerung, unterschieden von anderen Erfahrungen, ablegen. Levi beschreibt das Ende eines Tages im Lager:

Auch dieses Heute, das uns in der Frühe noch unüberwindlich und ewig schien, haben wir Minute für Minute hinter uns gebracht; jetzt liegt es abgeschlossen da, wird augenblicklich vergessen, ist schon kein Tag mehr, hat bei keinem eine Spur von Erinnerung hinterlassen. Wir wissen, daß der morgige Tag geradeso sein wird wie der heutige. [21]

Ein Überleben im Lager ist nur möglich, indem sich der Inhaftierte so weit als möglich gegen alle Gefühle immunisiert und ausschließlich darauf konzentriert bleibt, sein Leben zu bewahren. Jede Erinnerung wäre eine Spur, an der sich ein Bewusstsein über die beschämende Wirklichkeit des Lagerlebens würde aufstellen können. Momente des Schmerzes oder der Trauer stören diese Effizienz und stellen eine Gefahr für das Leben dar.

Die Schwierigkeit der Darstellung gründet weiter, folgt man Primo Levi, in der Unzulänglichkeit des bestehenden Vokabulars – die bekannten Worte sind in der anderen Welt des Lagers unzutreffend. Zum Schluss des Kapitels über die Ankunft in Auschwitz bemerkt Levi: „Da merken wir zum erstenmal, daß unsere Sprache keine Worte hat, diese Schmach zu äußern, dieses Vernichten eines Menschen.“ [22]  Es hätte einer neuen Sprache bedurft, um das Lagerleben zu beschreiben, denn das Erleben in den Lagern ist ein viel härteres als das Erleben draußen, das die bestehenden sprachlichen Register prägte:

Ebenso wie unser Hunger nicht mit der Empfindung dessen zu vergleichen ist, der eine Mahlzeit verloren hat, verlangt auch unsere Art zu frieren nach einem eigenen Namen. Wir sagen „Hunger“, wir sagen „Müdigkeit“, „Angst“ und „Schmerz“, wir sagen „Winter“, und das sind andere Dinge. […] Hätten die Lager länger bestanden, wäre eine neue, harte Sprache geboren worden. [23]

3.5 Entindividualisierung
Primo Levi schildert einen weiteren kollektiven Traum, den alle Inhaftierten träumen:

Wir sind das, grau und identisch, klein wie Ameisen und groß bis zu den Sternen, einer an den andern gepreßt, ungezählte bis über die ganze Ebene bis zum Horizont; manchmal zu einer einzigen Substanz gefügt, zu einem entsetzlichen Mengsel, in dem wir uns verklebt und erstickt fühlen, manchmal im Kreis marschierend, ohne Anfang und Ende, in rasendem Taumel und einer Aufwallung von Übelkeit, die uns von der Herzgegend zum Halse aufsteigt; bis der Hunger, die Kälte und die volle Blase unsere Träume in die üblichen Bahnen lenken. [24]

Der Prozess der Eingliederung zeigt sich als Auslöschung von den Differenzen, die die Inhaftierten als individuelle Persönlichkeiten hervortreten lassen. Der Traum imaginiert die Deportierten als unterschiedslose Masse; was das Subjekt wieder zu sich kommen lässt, sind „der Hunger, die Kälte und die volle Blase“, Bedürfnisse, die der Körper stellt. An verschiedenen Stellen des Textes bezieht sich Levi auf die Inhaftierten in diesem Zustand als auf Tiere oder Maschinen, die auf äußere Reize ohne merkliche Intervention eines Bewusstseins reagieren. Die Inhaftierten werden mit ihren Bedürfnissen identisch und dadurch alle gleich: „Das Lager ist der Hunger. Wir selber sind der Hunger, der lebende Hunger.“ [25]  Was die „Eingliederung“ überlebt, ist das schiere körperliche Bedürfnis. Dieses ist in der Wirklichkeit der Lager nicht individuell.

3.6 Grauzone
In seltenen Fällen gelangen auch Inhaftierte zu Macht und regieren ihren Machtbereich mit eiserner Hand, schon aus Angst, ihr Privileg wieder zu verlieren. Levi beschreibt das Lagerleben als „Kampf des Einzelnen gegen alle“ [26] . Angesichts der indifferenten Feindschaft aller, von wenigen Freund- und Komplizenschaften abgesehen, angesichts der Schwierigkeit, Gruppen und ihr Verhältnis zueinander zu bestimmen, beschreibt der Autor das Lager als „Grauzone“. Levi schreibt: „Sklaven und Herren, und auch die Herren sind Sklaven; die einen treibt die Angst, die anderen treibt der Haß, darüber hinaus schweigt jede andere Macht. Alle sind Feinde oder Rivalen.“ [27]  Giorgio Agamben weist darauf hin, dass sich die Täter nach Kriegsende unter Anklage als Opfer darstellten, ein Begriff von Adolf Eichmann stellt eine grausame Parallele zu den Leiden der Opfer her. Agamben betont:

Die Henker wiederholten übereinstimmend immer wieder, daß sie nicht anders handeln konnten, als sie es taten: daß sie also überhaupt nicht konnten – sondern einfach nur mußten. Handeln, ohne handeln zu können, nennt sich: Befehlsnotstand. Sie übten „Kadavergehorsam“, wie Eichmann sagte: gehorchten wie Leichen. [28]

Wo Levi die Gemeinschaft der Inhaftierten als identitätslose Masse beschreibt, inszeniert sich die SS der Benennung ihrer Dienstgrade nach als „Rotte“ oder „Schar“. In ihrem Abstand zum humanistischen Bild vom Menschen ähneln sich für Levi Täter und Opfer:

Die hier beschriebenen Personen sind keine Menschen. Ihr Menschentum ist verschüttet, oder sie selbst haben es unter der erlittenen oder den anderen zugefügten Unbill begraben. Die schändlichen, dummen SS-Leute, die Kapos, die Politischen, die Kriminellen, die großen und kleinen Prominenten, bis hinunter zu den unterschiedslosen versklavten Häftlingen, alle Abstufungen dieser ungesunden von den deutschen gewollten Hierarchie: sie sind durch ihre einheitliche innere Verödung auf paradoxe Art miteinander verbrüdert. [29]

Ein besonders grausamer Fall sind die jüdischen Sonderkommandos in Auschwitz-Birkenau: Sie bestanden aus jüdischen Häftlingen des Vernichtungslagers, die dazu gezwungen wurden, die Ermordung der Deportierten vorzubereiten und die Opfer auszuplündern und zu verbrennen. Damit keine Zeugen der Vernichtung überlebten, erschoss die SS regelmäßig die Sonderkommandos, die immer wieder durch Inhaftierte ersetzt werden sollten.

3.7 Muselmann, Giorgio Agamben
Als Muselmänner werden in der Sprache einiger Lager die Schwächsten bezeichnet; Inhaftierte, die in völliger Apathie und Aphasie leben, die nicht auf Schmerz oder Hunger oder Kälte reagieren, die keinen sichtbaren Überlebenswillen haben und ihren Tod nicht zu fürchten scheinen. Kein Ausdruck einer menschlichen Regung ist in ihren eingefallenen Gesichtern zu erkennen, Levi erwähnt sie als „Gegenwart ohne Antlitz“ [30] . In der Figur des Muselmanns verschärfen sich die Züge, die das Lagerleben den Inhaftierten aufzwingt, aufs Grausamste. Der Muselmann ist einsam in dem radikalen Sinn, dass er auf keine Reize der Umwelt mehr reagiert, nicht einmal auf grausamste Gewalt. Der Muselmann ist gesichtslos in dem radikalen Sinn, dass weder Inhaftierte noch SS ihn als sprachbegabtes Wesen betrachten und ein Wort an ihn richten. Levi zeichnet ein entsetzliches Bild von ihrem Schicksal:

Mögen sie auch eingereiht sein in die zahllose Menge von ihresgleichen, die sie rastlos mit sich zieht, sie leiden doch und schleppen sich dahin in grauer, innerer Einsamkeit; und sterben oder verschwinden in Einsamkeit, ohne eine Spur von Erinnerung zu hinterlassen. [31]

Der Autor weist den Muselmännern einen besonderen Platz in der Wirklichkeit der Lager zu:

Sie, die Muselmänner, die Verlorenen, sind der Nerv des Lagers; sie, die anonyme, die stets erneuerte und immer identische Masse schweigend marschierender und sich abschuftender Nichtmenschen, in denen der göttliche Funke erloschen ist, und die schon zu ausgehöhlt sind, um wirklich zu leiden. Man zögert, sie als Lebende zu bezeichnen; man zögert, ihren Tod, vor dem sie nicht erschrecken, als Tod zu bezeichnen, weil sie zu müde sind, ihn zu erfassen. [32]

Der Muselmann ist keine Randfigur des Lagerlebens, sondern dessen Fluchtpunkt. Er ist, was den Inhaftierten geschieht, wenn sie ihren unbedingten Lebenswillen unter dem unmenschlichen Druck des Lagers aufgeben: „Alle Muselmänner, die im Gas enden, haben die gleiche Geschichte, besser gesagt, sie haben gar keine Geschichte; sie sind dem Gefälle gefolgt bis in die Tiefe, ganz natürlich, wie die Bäche, die schließlich im Meer enden.“ [33]

Giorgio Agamben folgt Levi in diesem Punkt und findet den Muselmann im Zentrum seiner Analyse des Lagers. Er schreibt „die entscheidende Funktion der Lager im System der nationalsozialistischen Biopolitik […] der Produktion des Muselmanns“ [34]  zu. Schon in den Rassengesetzen findet er den Beginn der systematischen Verwandlung: „So wird der Nichtarier zum Juden, der Jude zum Deportierten (‚umgesiedelt’, ‚ausgesiedelt’), der Deportierte zum Häftling, bis die biopolitischen Zäsuren im Lager ihre Grenze erreichen. Diese Grenze ist der Muselmann.“ [35]  Der Muselmann ist eine Erscheinung, die das philosophische Denken des Menschen in Aporien führt:

Er zeigt sich einmal als der Nicht-Lebendige, als das Wesen, dessen Leben nicht wirklich Leben ist, und ein andermal als der, dessen Tod nicht Tod genannt werden kann, sondern nur „Fabrikation von Leichen“; als Einschreibung einer toten Zone in das Leben und einer lebendigen Zone in den Tod. [36]

Der Muselmann verwischt die Grenze zwischen Leben und Tod, die nun als Schwelle erscheint. Er räumt die Grenze aus, von der aus Leben und Tod zu bestimmen, zu unterscheiden sind; „der Muselmann [bedeutet] gewissermaßen die bewegliche Schwelle, an der der Mensch in den Nichtmenschen […]überging“ [37] .

In Agambens zugespitzter Lesart ist der Muselmann aber der einzige, der das Menschheitsverbrechen Shoah bis ins Letzte hat erleiden müssen und es somit bezeugen könnte. Allerdings stehe er daher außerhalb der Sprache: [38]

Die „wirklichen“ Zeugen, die „vollständigen Zeugen“ sind diejenigen, die kein Zeugnis abgelegt haben und kein Zeugnis hätten ablegen können. Es sind die, die „den tiefsten Punkt des Abgrunds berührt haben“, die Muselmänner, die Untergegangenen. Die Überlebenden – Pseudo-Zeugen – sprechen an ihrer Stelle als Bevollmächtigte: sie bezeugen ein Zeugnis, das fehlt. [39]

Auch Levi sieht in der Produktion des sprachlosen, bewusstlosen, nach humanistischen Kategorien unmenschlichen Menschen die Erfüllung der nazistischen Herrschaftspolitik, die den Deutschen auch nach der kriegerischen Niederlage noch einen Sieg bescherte: „Wir lagen in der Welt der Toten und Larven. Um uns und in uns war die letzte Spur von Zivilisation geschwunden. Das Werk der Vertierung, von den triumphierenden Deutschen begonnen, war von den geschlagenen Deutschen vollbracht worden.“ [40]

3.8 face-to-face der Totenköpfe, Jean-Luc Nancy
Jean-Luc Nancy entwickelt seine Beschreibung der Lager in eine ähnliche Richtung. Auch er sieht das Lager als Maschinerie zur Herstellung von Sprachlosigkeit. Ihm zufolge

geht es genaugenommen darum, zu verstehen, daß der Erfolg der Lager zuallererst in der Ausmerzung der Darstellung oder besser der Darstellbarkeit selbst bestand, so daß diese Ausmerzung entweder auf keinerlei Weise mehr dargestellt werden kann oder aber die Darstellung auf den Prüfstand ihrer selbst gestellt wird: wie kann etwas ins Da, in die Präsenz gestellt werden, was nicht unter die Ordnung der Präsenz fällt? [41]

Nancy bezieht allerdings das nationalsozialistische Selbstbild, die Idee des arischen Körpers, mit ein und findet hier die Entsprachlichung gleichermaßen – so dass sich schließlich in Muselmann und SS-Soldat zwei sprach- und bewusstlose Präsenzen gegenüber stehen. Nancy beginnt mit dem Ideologem des arischen Menschen: „Der Gedanke des arischen Körpers ist mit dem Gedanken der Präsenz identisch, oder mit der restlosen Präsenz eines Gedankens: ziemlich genau das, was das Abendland seit Jahrhunderten als Götzenbild, als Idol auffaßte.“ [42]  Die nationalsozialistische Ideologie, die Weltanschauung – als ein substantiviertes universalisiertes Anschauen der Welt – wird im arischen Körper anwesend gemacht. Der arische Körper ist absolute Idee und absolutes Medium der Ideologie, „der absolute Repräsentant der Repräsentation“ [43] . Das Bezeichnete ist im Zeichen-Körper anwesend, der auch der Körper des bezeichnenden Subjekts ist. In diesem Sinn ist der Arier göttlich – er erschafft sich selbst aus dem Nichts –, aber ohne Heiligkeit; er ist nicht durch und in seinem Entzug gegeben, sondern in sich restlos präsent. Für die SS, die sich unter das Totenkopf-Abzeichen stellt, stellt Nancy fest: „Der abgehärtete Vernichter ist sein eigener Sinn, ein regloser Sinnblock, dessen Behauptung und dessen Triumph sich stillschweigend ereignet.“ [44]  Und dessen Funktion und Werk betreffend: „[I]n Wirklichkeit ist die Erfüllung der Aufgabe bereits unmittelbar dort, in den Leichenhaufen, oder im Rauch und in der Asche.“ [45]  Die grausame Gewalt der Lager ist demzufolge nicht Mittel zu einem Zweck, sondern Mittel und Zweck in sich.

Die nazistische Ideologie besorgt die Selbstimmunisierung der SS gegen menschliche Regungen wie Scham oder Mitleid. Sobegegnet der SS-Mann dem verstummten und apathischen Opfer der Gewalt im Lager.

Das Lager als Darstellungsdispositiv stellt also zwei Gesichter einander gegenüber, deren beider Augen den Tod in sich bergen: das Gesicht des Toten oder des lebendigen Toten (des „Muselmanns“, ein jedenfalls ewig bloß aufgeschobener Tod) und das mit einer Totenkopfkappe bedeckte Gesicht. Der SS-Offizier stellt sich als Tod dar und er gibt für sich selbst die Darstellung des Todes als sein eigenes Werk wieder. [46]

Der Muselmann ist des Todes beraubt, wie Agamben feststellt; der Tod findet außerhalb der Sprache statt, kann nicht im Leben symbolisiert werden. Von ihm kann als von einem Tod nicht gesprochen werden. Der Sterbende verlässt bereits vor seinem Tod den Bereich des Lebens und ihm werden bereits im Leben die Attribute des Menschlichen genommen. Für Nancy steht das Vernichtungswerk der SS gleichermaßen außerhalb der Sprache:

Der Vernichtete ist folglich derjenige, der – vor seinem Tod und um seines Todes zu sterben, die der Vorstellung des Vernichters entspricht – selbst der Darstellungsmöglichkeit beraubt wird, also letztlich der Möglichkeit von Sinn. Er wird, mehr noch als zu einem Objekt (das nicht mehr Mensch ist, sondern nur Objekt für ein Subjekt), zu einer weiteren, in sich eingemauerten Präsenz vor dem Henker. Ein face-to-face der zwei reinen Dichten, die sich gegenseitig widerspiegeln, wie sich der Tod selbst in sich widerspiegelt. Ein Gegenüberstehen von zwei Götzen oder zwei leeren Massen, weder Ding noch Atem, eher eine doppelte Verdickung, die in zwei in sich beschädigten Präsenzen gerinnt. [47]

4. Sprechen von/nach Auschwitz, der Begriff Shoah und das DENKMAL FÜR DIE ERMORDETEN JUDEN EUROPAS in Berlin

Zum Abschluss dieses Artikels sollen nun zwei Beispiele für eine Darstellung von/nach Auschwitz aufgezeigt werden, welche die oben diskutierten Probleme in sich reflektieren. Das Wort Shoah und das DENKMAL FÜR DIE ERMORDETEN JUDEN EUROPAS stellen Versuche der Bezeichnung, des Verweises, des Bezugs dar, denen ein Bruch, eine Lücke, ein Schweigen eingelassen ist. Sie sind Repräsentationen, also Darstellungen, die Abwesendes bedeuten, dieses alsAbwesendes vergegenwärtigen ohne es in sich zu versammeln, sich an dessen Stelle zu setzen.

4.1 Zerstörung des Ganzen in den Lagern
Jean-Luc Nancy zufolge ist in den Lagern die Realisierung eines Darstellungsdispositivs zu sehen, das die Darstellung auslöscht, oder zumindest auf den Prüfstand stellt. Wie das Geschehene darstellen? Wie sich sprachlich darauf beziehen? Die Ideologie, die den arischen Körper als Idee entwirft und restlos in sich anwesend macht, die den arischen Körper zur Götze des ihn Anbetenden macht, bezeichnet Nancy als „Regime der ‚Überrepräsentation’“ [48] . In derselben Bewegung wird der als jüdischbezeichnete Körper, der die „Überrepräsentation“ durch seine Anwesenheit stört, im Raum der Repräsentation ausgelöscht. Der Jude ist das Ausgeschlossene des nazistischen Regimes; auf diesem Ausschluss gründet und stärkt sich die nationalsozialistische Ideologie. Nancy sieht in der Idee des Ganzen, der Gesamtheit ein Ideologem, das nach dem Geschehen der Lager verworfen werden muss. In UN SOUFFLE/EIN HAUCH schreibt er:

Künftig liegt der Schatten auf allem, verfinstert alles, ist Dunkelheit des Ganzen als solchem: der ganzen Menschheit, des ganzen Menschen und des Ganzen der Welt. Die Lager wurden errichtet im Namen einer Weltanschauung – ihr Rauch verfinstert alle Anschauungen eines Ganzen. Die Worte der Weltanschauung zerstörten: ihr Gebrüll hat auf alle Zeit alle Worte taub und jede Totalität des Sinns zweifelhaft gemacht. [49]

So kann es keinen sprechenden Begriff geben, der die Gesamtheit der Shoahbezeichnet. Das Paradox des vorigen Satzes umgeht Nancy, indem er Shoahnicht als einen Signifikant beschreibt, sondern, wie er in dem gleichnamigen Text ausführt, als einen „Hauch“. Die Geste des Bezeichnens, die kein stabiles Gemeintes bezeichnet, ist ein Hauch; kein Stummsein und kein Sprechen, sondern dessen Unterbrechung, Lücke, Zäsur.

Als Beispiele für ein solches Sprechen möchten wir eben jenen Begriff der Shoah und – als Ausgangspunkt einer kritischen Diskussion – das Mahnmal der europäischen Juden in Berlin diskutieren.

4.2 Das Fremd-Wort Shoah
Das Wort Shoah ist hebräisch und bedeutet AbgrundVernichtungDunkelheitgroße KatastropheUnheilUntergang. Es wird dem Begriff des Holocaustzunehmend vorgezogen, der eine problematische Nähe zu religiösen Opferriten herstellt. Auch Shoah wird als Begriff, vor allem wegen seinen Anklängen an Naturkatastrophen, kontrovers diskutiert. Während in der hebräischen Sprache der Begriff Shoah im Zuge der langen Geschichte der Judenfeindlichkeit und der damit verbundenen Pogrome schon vorher gebraucht wurde (er steht auch in der Unabhängigkeitserklärung Israels von 1948), war er im Sprachgebrauch der deutschen Öffentlichkeit vor der Veröffentlichung des Filmes SHOAH von Claude Lanzmann kaum geläufig. Eben die Tatsache, dass Shoah zunächst ein Fremdwort ist, ein Wort, dessen Bedeutung nicht bekannt oder eindeutig konnotiert ist, ein Wort also, das zugleich ein Nicht-Wort ist, scheint es dazu zu befähigen, das Singuläre zu bezeichnen. Auf die Frage eines Journalisten, was das Wort Shoah für ihn auszeichne, antwortet Claude Lanzmann:

Es ist kurz. Es ist dunkel. Es ist opak. Es ist andrerseits robust wie ein Atom, es ist unzerstörbar. Ein Wort mit all diesen Qualitäten brauchte es, um das Unbenennbare zu benennen. Wir suchten nach einem Wort für etwas, dass es in der Geschichte der Menschheit zuvor noch nie gegeben hatte, für das gar kein Wort existieren konnte! […] Entscheidend war, dem Film einen Namen zu geben, den die Menschen erst lernen mussten, um ihn zu begreifen. [50]

Nancy schreibt in UN SOUFFLE/EIN HAUCH: „Shoah. Für mich ist es kein Name, selbst wenn man es mir übersetzt hat. Für mich ist es kein Wort, selbst keines, das aus einer anderen Sprache stammt. Ich vernehme es wie einen Hauch, ich werde sagen, es ist ein Hauch.“ [51]  Vor dem Hintergrund des Diskurses, der Aussagen und des Geredes von der Vernichtung, in der Reden und Schweigen gleichermaßen unangemessen seien, schätzt Nancy Shoah als Nicht-Begriff, eben keine Ansammlung von Worten über, sondern ein Hauch zwischen zwei Worten, ein ersticktes Wort, ein verschwiegenes, zerbrechliches, zerbrochenes Wort.

4.3 DENKMAL FÜR DIE ERMORDETEN JUDEN EUROPAS
Das DENKMAL FÜR DIE ERMORDETEN JUDEN EUROPAS besetzt ein 13.100 mgroßes Feld im Zentrum Berlins mit 2711 rechteckigen Stelen von bis zu fünf Metern Höhe. Außerdem finden sich 41 Bäume auf dem Gelände. Unterirdisch befindet sich das Museum Ort der Information. Das Bauwerk geht auf die Entwürfe des Architekten Peter Eisenmann und des Bildhauers Richard Serra zurück. Der Bildhauer verlässt das Projekt, als sich abzeichnet, dass das Denkmal nur in verkleinertem Maßstab realisiert werden kann. Der ursprüngliche Entwurf nimmt eine weit größere Fläche ein. Der Architekt hat den Ort wiederholt als place of no meaning bezeichnet. Tatsächlich findet sich kein Schild, keine Plakette, die das sogenannte Holocaust-Mahnmal als einen Ort des Gedenkens an die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden bezeichnet.

Nichtsdestoweniger ist der Ort unter genannter Bezeichnung zu großer Bekanntheit gelangt. In Nachbarschaft des Reichstags, des Brandenburger Tors, der Straße Unter den Linden und des Potsdamer Platz liegt das Denkmal in der prominentesten Gegend Berlins und ist als touristischer Spot bestens in die Umgebung integriert. Als Bauskulptur inszeniert sich das Denkmal aber als Unterbrechung, als Zäsur in der urbanen Grammatik des Viertels. Zwar sind urbane Denkmäler wie das Brandenburger Tor nicht weit, doch bemüht sich das Mahnmal eben nicht, wie diese mit der lauten Symbolik politischer Repräsentation den Besucher zu adressieren, sondern sich gerade im Rückzug aus der politischen Symbolsprache zu Gesicht zu bringen.

Das Stelenfeld erinnert an Sarkophag-Gräber auf jüdischen Friedhöfen, an Soldatenfriedhöfe oder Kriegerdenkmäler. Das Denkmal präsentiert sich als Ort des Gedenkens an die Toten. Die Stele aber, Äquivalent des Grab- oder Gedenksteins, ist unbezeichnet. Es fehlen Name und Geburts- sowie Todestag des Verstorbenen, bzw. der Name des historischen Geschehnisses, das durch den Stein zu Bewusstsein gebracht werden soll. Hier weist die Architektur Merkmale auf, die Jean-Luc Nancy an der Götze analysiert hat. Allerdings steht die Sprachlosigkeit der Säule nicht für sich ein, sondern ermöglicht dem Besucher eine ästhetische Erfahrung mit Immanenz und Verschwiegenheit. Im Bewusstsein von der Bedeutung des Orts organisiert sich die Erfahrung auf das Gedenken der Shoah hin.

Im unterirdischen Museum befindet sich der so genannte Raum der Namen. Der Raum ist schwarz ausgekleidet, vier Videobeamer projizieren auf die vier Wände. Dort erscheinen in ständigem Wechsel Name, Geburts- und Todesjahr der ermordeten europäischen Juden. Eine Stimme verliest die Kurzbiographie der ermordeten Person. Der Raum stellt sich also in die Tradition abendländischer Bestattungsriten. Am bezeichneten Grabstein des Verstorbenen werden an die wichtigsten Daten des verschiedenen Lebens erinnert. Im Unterschied zum Grabstein sind die Wände hier nur flüchtig mit Namen und Daten beschriftet, und der Besucher sieht sich nicht einem Steinblock gegenüber, sondern ist von Projektionen nach allen Seiten umgeben. Wo das Stelenfeld die Namenlosigkeit des Sterbens in den Lagern ins Bild setzt, versieht der Raum der Namen die Ermordeten mit Name und Geschichte. Er kann als Versuch beschrieben werden, den Toten Individualität im öffentlichen Bewusstsein zu geben.

Begibt man sich in das Stelenfeld, erscheinen die Stelen als massige und hoch aufragende Gegenwarten. Der Ort wird dem Rezipienten zur Gegenwart, die alle Sinne bedrängt und darin weniger auf Abwesendes als auf die schiere Anwesenheit verweist. Diese Erfahrung aber wird durch die Bestimmung des Ortes semantisiert. Wer um die Bestimmung weiß und mit historischem Wissen an den Ort herantritt, wird das Denkmal lesen, wer nicht weiß oder nicht wissen will, wird das Denkmal benutzen. Der Ort steht in der Kritik, sich gleichermaßen als Spielplatz für Gruppen von Schulkindern zu eignen. Aufseher sollen das Problem lösen.

Das Denkmal inszeniert sich nicht als von der urbanen Landschaft getrennt, so sehr es seine Fremdheit und Andersartigkeit in Bezug zum umgebenden Stadtraum anzeigt. Die Stelen sind an den Rändern des Feldes niedrig bzw. in den Boden eingelassen wie Intarsien; im Bürgersteig der Ebertstrasse treten sie etwa als Unterbrechung des Pflasters auf. Das Mahnmal franst in den umgebenden städtischen Raum aus, es ist nicht scharf umrandet. Die Grenzen sind unsicher. Dieser Eindruck wird durch die 41 Bäume bestärkt, die den nahen Tiergarten in das Stelenfeld zitieren.

Das DENKMAL FÜR DIE ERMORDETEN JUDEN EUROPAS inszeniert die Geste der Bezeichnung, ohne jedoch zu bezeichnen. Die Stelen ragen als schweigende Signifikanten hoch auf, sind aber nicht beschriftet. Das stumme Denkmal wird durch den Besucher zum Sprechen gebracht, der erkennt, in welche ikonographische Tradition der Ort sich stellt, und der sich mit historischem Wissen und im Bewusstsein der Shoah in das Stelenfeld begibt. In sich eingemauerte Präsenzen – Götzen – sind die Stelen dem, der sie nicht liest. Allerdings sind sie auch diesem Götzen ohne Ritus, denn es existiert keine Liturgie für den Dienst an diesen Götzen. Anders als bei konventionellen Denk- und Mahnmählern gibt es für den Besuch des Denkmal für die ermordeten Juden Europas keine vorgeschriebene Rhetorik, die den Ort im gewohnheitsmäßigen Aufsuchen zum Verstummen bringt; der Besucher muss sich eine eigene Passage durch das Denkmal suchen.

Fußnoten    (↵ zurück zum Text)

  1. Die wenigen Überlebenden der Shoah stehen den traumatischen Erfahrungen mit sprachlosem Entsetzen gegenüber. Vom Versuch der Opfer das Schweigen zu brechen, hat Claude Lanzmann mit seinem Film Shoah ein beeindruckendes Dokument vorgelegt. Vgl. Claude Lanzmann: Shoah, DVD, 566 Minuten, Frankreich 1985.
  2. Primo Levi: Ist das ein Mensch?, München 1992, S. 108.
  3. Giorgio Agamben: Was von Auschwitz bleibt, Frankfurt a. M. 2003.
  4. Jean-Luc Nancy: „Das Darstellungsverbot“, in: ders.: Am Grund der Bilder, Berlin 2006, S. 51 – 91.
  5. Nancy: „Das Darstellungsverbot“, S. 61.
  6. Nancy: „Das Darstellungsverbot“, S. 56f.
  7. Vgl. Kapitel 4 dieses Aufsatzes
  8. Vgl. Jacques Derrida: „Die différance“, in: ders.: Die différance. Ausgewählte Texte, Stuttgart 2004, S. 110 – 150.
  9. Derrida: „Signatur Ereignis Kontext“, in: ders.: Die différance, S. 68-109, hier S. 98.
  10. Lanzmann: Shoah, Transkription in: Lanzmann: Shoah, Düsseldorf 1986, S. 101.
  11. Vgl: Nancy/ Lacoue-Labarthe, Philippe: „Der Nazi-Mythos“, in: Weber, Elisabeth/Tholen, Christoph (Hg.): Das Vergessen(e): Anamnesen des Undarstellbaren, Wien 1997.
  12. Levi: Mensch.
  13. Levi: Mensch, S. 147.
  14. Levi: Mensch, S. 58.
  15. Levi: Mensch, S. 30.
  16. Levi: Mensch, S. 27f.
  17. Levi: Mensch, S. 29.
  18. Levi: Mensch, S. 85.
  19. Levi: Mensch, S. 18.
  20. Levi: Mensch, S. 42.
  21. Levi: Mensch, S. 159.
  22. Levi: Mensch, S. 28.
  23. Levi: Mensch, S. 149.
  24. Levi: Mensch, S. 73.
  25. Levi: Mensch, S. 87.
  26. Levi: Mensch, S. 110.
  27. Levi: Mensch, S. 47.
  28. Agamben: Auschwitz, S. 68.
  29. Levi: Mensch, S. 147.
  30. Levi: Mensch, S. 108.
  31. Levi: Mensch, S. 106.
  32. Levi: Mensch, S. 108.
  33. Levi: Mensch, S. 107.
  34. Agamben: Auschwitz, S. 75.
  35. Agamben: Auschwitz, S. 74.
  36. Agamben: Auschwitz, S. 71.
  37. Agamben: Auschwitz, S. 40.
  38. Die Muselmänner als „lebende Tote“ zu bezeichnen, greift zu kurz. Agamben präpariert diese Denkfigur als einen Fluchtpunkt für die Auseinandersetzung der Zerstörung der Sprache in Auschwitz. Er lässt dafür außer Acht, dass es Fälle von sogenannten „Muselmännern“ gab, die das Lager überlebten, ihr Schweigen brachen und einen Zeugenbericht ablegten. Als Infragestellung der eigenen Systematisierung lässt er am Ende seines Buches ehemalige Muselmänner zu Wort kommen. Vgl. Agamben: Auschwitz, S. 145 – 150.
  39. Agamben: Auschwitz, S. 30.
  40. Levi: Mensch, S. 205f.
  41. Nancy: Darstellungsverbot, S. 63.
  42. Nancy: Darstellungsverbot, S. 70.
  43. Nancy: Darstellungsverbot, S. 71.
  44. Nancy: Darstellungsverbot, S. 76.
  45. Nancy: Darstellungsverbot, S. 76.
  46. Nancy: Darstellungsverbot, S. 78.
  47. Nancy: Darstellungsverbot, S. 81.
  48. Nancy: Darstellungsverbot, S. 70.
  49. Nancy: „Un Souffle/Ein Hauch“, in: Berg, Nicolas/Jochimsen, Jess/Stiegler, Bernd (Hg.): Shoah – Formen der Erinnerung. Geschichte, Philosophie, München 1996, S. 122-129, hier S. 125.
  50. Lanzmann im Interview mit Max Dax: „Unzerstörbar, dunkel, opak“, in: SPEX, #313 März/April 2008, S. 68 – 81.
  51. Nancy: Hauch, S. 125.
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