Poetologie | Verwandtschaften | Unzeitgemäße Betrachtung: Lenz mit Nietzsche lesen

Wie fängt etwas an? Die Frage hat sich im Laufe der Beschäftigung mit Lenz wiederholt verschoben, sie lautet jetzt: Wo fängt das hier an? Was muss hinein, was muss ausgelassen werden? Wo hört das hier auf? Der erste Impuls ist es, etwas zu konzentrieren, vielleicht zu fokussieren, der zweite, ein paar Aspekte herauszugreifen. Die Angst, dass dabei alles zusammenstürzen könnte, ist so wenig überraschend wie die Anfangsfrage, das macht sie jedoch nicht weniger dringlich. Mit Blick auf Lenz und Nietzsche scheint es ratsam, anstatt aus einem ‚großen Ganzen‘ ein ‚kleines Ganzes‘ zu machen, lieber ein Stück herauszuschlagen, ein Fragment zu schaffen, sodass dann vielleicht etwas dunkel bleiben muss, dafür aber tiefer gehen kann. In diesem Sinne muss dann wohl das Verhältnis dieses Artikels und der ursprünglichen Bachelor-Arbeit, aus der er sich speist, nicht letztendlich geklärt werden.
Am Anfang steht die These, dass das Schreiben von Jakob Michael Reinhold Lenz und Friedrich Nietzsche sich gegenseitig, d.h. füreinander produktiv machen lassen.
Methodisch soll Nietzsches Schrift Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben (1874) dafür zur ‚Folie‘ für das Lenz’sche Schreiben werden, mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Anmerkungen übers Theater (1774) und Pandämonium Germanikum (entst. 1775). Mit dem Begriff der ‚Folie‘ befinden wir uns bereits bei Lenz. Der Begriff meint bei Lenz Johannes F. Lehmann zufolge[1] nicht etwa einen transparenten Filter, durch den die Welt betrachtet wird, sondern eine Metallfolie[2], die das Innere eines Spiegels ausmacht – die eben die Spiegelung erst ermöglicht.
Die methodische Rahmung durch die ‚Folie‘ legt ein grundsätzlich erkenntnistheoretisches Problem nahe. Sie erscheint nur unter der epistemischen Prämisse sinnvoll, dass es keinen ‚direkten‘ Blick auf die Wirklichkeit gibt, dass die Welt den Menschen nur in ‚Spiegelbildern‘ zugänglich ist. Unser Bild von der Welt hängt von der Folie ab, die es zurückspiegelt. Was dabei Zerrbild ist und was dem vermeintlich ursprünglichen Gegenstand entspricht, ist dabei bisweilen schwer zu beurteilen. Die Spuren dieser Prämisse lassen sich in unterschiedliche erkenntnistheoretische Diskurse nachverfolgen, besonders aber auch in das Schreiben von Lenz und Nietzsche. Ein besonders wichtiger Anknüpfungspunkt dafür ist die u.a. von Judith Schäfer besonders herausgehobene Notiz Lenzens „Es ist alles in der Welt schraubenförmig u. wir sehen grade“[3]. Vor diesem Hintergrund erscheint Lenzens Schreiben als zweifache Reaktion auf die Welt: Einerseits als Schreiben, das der Welt ähnelt, indem es sich den Lesenden immer ein Stück weit entzieht, sich schraubenförmig in die Tiefe verliert und immer nur ein Stück von sich preisgibt. Andererseits als Schreiben, das dem Blick des Menschen auf die Welt ähnelt bzw. diesen in seiner Unübersichtlichkeit, seiner Unvollkommenheit, seiner fragmentarischen, die Welt fragmentierenden Art und Weise illustriert.[4] Nietzsche auf der anderen Seite fragt mit Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben unter anderem, inwiefern es Wissen über die Geschichte geben kann, wie dieses strukturiert ist und ob es ein Heraustreten aus der Historizität, aus der eigenen Zeit gibt. Fragen, die allgemeine Sprengkraft haben, sich aber auch im Speziellen zuspitzen lassen – z.B. dahingehend, wie es tatsächlich um Lenzens physische und psychische Gesundheit stand und wie sich die Erzählung seiner Krankheit in seine Rezeption eingeschrieben hat.[5]

Bevor die Folie und das zugehörige Spiegelbild genauer betrachtet werden, blicken wir kurz zu den Umrissen Lenzens, die einander auch bei Verwendung unterschiedlicher Folien ähneln.
Jakob Michael Reinhold Lenz ist als Schriftsteller des Sturm und Drang bekannt. Sein Schreiben nimmt vielfältige Formen an, es reicht von theoretisch-ästhetischen bzw. poetologischen Schriften wie den Anmerkungen übers Theater, Über die Natur unseres Geistes (1771-73) oder Das Hochburger Schloß (1777), über Dramen und Gedichte bis hin zu „sozialreformistische[n] Schriften und Studien“[6] in seiner Moskauer Zeit. Seine Texte richten sich häufig gegen die Konventionen der Gattung, in der sie sich zu bewegen scheinen (z.B. Anmerkungen übers Theater, Der Hofmeister[7]), liegen in mehreren Fassungen vor (z.B. Pandämonium Germanikum) oder sind inhaltlich sprunghaft, bisweilen absurd, fast grotesk[8] (Der neue Menoza). Lenz schreibt durchaus für die Bühne, wird aber zu Lebzeiten kaum aufgeführt, was sicherlich mit seinem sowohl inhaltlich wie auch formal unkonventionellen Schreiben in Verbindung gebracht werden kann.[9] Lenzens Bekannt- oder gar Freundschaften zu wichtigen Gelehrten seiner Zeit wie Goethe oder Herder haben in seiner Rezeptionsgeschichte große Aufmerksamkeit erfahren. Seine eigenen Schriften finden aber weder bei den Freunden noch beim Publikum viel Erfolg. Lenz verbringt einen Teil seines Lebens in relativer Armut und wäre nach seinem Tod in Moskau 1792 beinahe in Vergessenheit geraten. Ein besonderes Merkmal des Lenz ҆schen Schreibens ist ein fragmentarisches Moment, das sich von der Quellenlage, über den bisweilen sprunghaften, verworrenen Schreibstil, gar bis hin zur (An-)Ordnung des Schreibens in den handschriftlichen Manuskripten selbst erstreckt und sich zuletzt auch im Inhalt findet. In der bewegten Rezeptionsgeschichte Lenzens wird ihm dieses fragmentarische Schreiben durchaus als Mangel ausgelegt, in jüngerer Zeit aber auch als konstitutives Moment seines Schreibens verstanden.[10] Ein wiederkehrendes Motiv ist z.B. die Maschine, als welche er sowohl den Menschen in seinem sozialen Kosmos als auch die Welt selbst beschreibt. Beide rattern mechanisch und scheinbar sinnlos in den ihnen zugewiesenen Positionen und der Mensch ist der Weltmaschine ausgeliefert:

[…] wir drehen uns eine Zeitlang in diesem Platz herum wie die andern Räder und stoßen und treiben – bis wir wenns noch so ordentlich geht abgestumpft sind und zuletzt wieder einem neuen Rade Platz machen müssen […] – und was bleibt nun der Mensch noch anders als eine vorzüglichkünstliche kleine Maschine, die in die große Maschine, die wir Welt […] nennen besser oder schlimmer hineinpaßt.[11]

Viele seiner Schriften tragen etwas Dunkles in sich, das sich einem vollständigen Entdecken, einem letztendlichen Verstehen, einer einfachen Deutung durch Lesende entzieht. Sei es eine bewusste Auslassung, eine unklare Referenz, ein inhaltlicher Sprung oder eine unleserliche Korrektur im Manuskript.
Bevor wir uns in Skizzen verlieren, soll nun die Folie, also Nietzsches Schrift, betrachtet werden, um herauszufinden, welches Licht sie auf den hier kurz umrissenen Lenz werfen kann. Unzeitgemäße Betrachtungen. Zweites Stück: Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben, so lautet der vollständige Titel der im Jahr 1874 erscheinenden und von der philologischen Fachwelt – nach Nietzsches skandalisierten und verrissenen ersten beiden Veröffentlichungen[12] – wenig beachteten Schrift. Zu einem späteren Zeitpunkt seines Lebens wird sie vom Autor selbst ebenso wie weitere ‚frühe Schriften‘ bis zu einem gewissen Grad problematisiert.[13] In der Nietzsche-Rezeption der folgenden Jahrzehnte gelangt sie aber zu einiger Berühmtheit.[14] Ein Beispiel für diese Rezeption ist die Aufmerksamkeit, die Nietzsches Schrift im Kontext des Historismus zuteilwird. Jener wird auch ein wichtiger inhaltlicher Bezugspunkt der Schrift. Nietzsche formuliert mit Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben als einer der ersten Denker seiner Zeit[15] wichtige Fragen und Probleme dieser sich gerade formierenden oder durchsetzenden Strömung. Neben dem Historismus sei an dieser Stelle als wichtiger Bezugspunkt für Nietzsches Schrift der deutsche Idealismus, im Besonderen mit Rückgriff auf Georg Wilhelm Friedrich Hegel, genannt. Relevant ist hier vor allem dessen Idee der Welt oder eines teleologischen Weltsystems, in welches die gesamte Menschheitsgeschichte gefasst ist und das sich im Fortschreiten der Zeit immer weiter dem Ziel (Telos) entgegen bewegt. Die Ansicht, dass der einzelne Mensch sich bewusst bleiben müsse, „[…] dass sein fragmentarisches Denken und Dasein höheren Zielen dient“[16], bringt dies auf den Punkt.[17] Inhaltlich nimmt das Werk sich dem Begriff der Geschichte/Geschichtsschreibung oder auch Historie oder der historischen Bildung an. Dabei geht es Nietzsche vor allem um eine Kritik ‚der Zeit‘, ausgehend von der Beobachtung, „dass wir Alle an einem verzehrenden historischen Fieber leiden und mindestens erkennen sollten, dass wir daran leiden“.[18] Es besteht also ein Missstand: Historie wird auf eine falsche, eine ungesunde Art und Weise betrieben. Die offensichtlichste und aus der Feder eines Philologen vielleicht überraschende Kritik: Es wird zu viel, zu ausufernd Geschichte geschrieben. Alles wird, kaum ist es geschehen, historisch erfasst und niedergeschrieben. Dabei werden aus historischen Zusammenhängen Fakten gemacht. Neben einer ‚Sammelwut‘ stellt sich auch eine Simplifizierung ein, die auf einfache Kausalketten zurückgreift. Eine genaue Definition bzw. Distinktion eben jener immer wieder auftauchenden Begriffe wird dabei nicht gegeben und sie scheinen nahezu synonym verwendet zu werden.[19] Drei Komplexe aus Nietzsches Schrift sind für die Verbindung zu Lenz von besonderem Interesse: Das Unzeitgemäße, Kritik an Teleologie und ‚Objektivität‘ und schließlich Das Leben, wobei sich der vorliegende Beitrag auf ersteres konzentriert. Wortwörtlich schreibt Nietzsche wenig vom Unzeitgemäßen, obwohl seine Schrift mit jenem Begriff übertitelt ist. In einer der wenigen Äußerungen dazu wird eine zentrale Denkfigur deutlich, die für das Verständnis von Nietzsches Schrift sowie für die Argumentation dieses Aufsatzes entscheidend ist:

Unzeitgemäss ist auch diese Betrachtung, weil ich etwas worauf die Zeit mit Recht stolz ist, ihre historische Bildung, hier einmal als Schaden, Gebreste und Mangel der Zeit zu verstehen versuche […]. [D]enn ich wüsste nicht, was die classische Philologie in unserer Zeit für einen Sinn hätte, wenn nicht den, in ihr unzeitgemäss – das heisst gegen die Zeit und dadurch auf die Zeit und hoffentlich zu Gunsten einer kommenden Zeit – zu wirken.[20]

Das ist eben unzeitgemäß handeln für Nietzsche: Gegen die Zeit, auf die Zeit und hoffentlich zu Gunsten einer kommenden Zeit. Es ließe sich noch hinzufügen: aus der Zeit heraus, in dem Sinne, dass jene zwar nicht verlassen wird, der Blick des Unzeitgemäßen Betrachters sich seiner Position in der Zeit bewusst ist, aber doch in die Ferne über sie hinausgeht.
Die unzeitgemäße Betrachtung der Historie lässt ein anderes Zeitverständnis als das der sukzessiv aufeinander folgenden/aufbauenden Jahrhunderte, von denen jeweils das vorangegangene das kommende bestimmt, zu. Es ist eine komplexere Zeitstruktur denkbar, eine Verbindung der Menschen über die harsche Trennung durch die Regeln der Historie hinaus. Diese Bewegung gegen die klassische Historie hat etwas Unhistorisches[21] an sich, enthält eine bewusste Auslassung, einen Moment des Vergessens, die Fähigkeit, sich in einen „begrenzten Horizont einzuschliessen“[22]. Renate Reschke schreibt über Nietzsches Verständnis von Geschichte:

[V]ielmehr sieht er sie als Kontinuum von Geisteshorizonten, in das sich derjenige stellen kann, der willens ist, das Vergangene der Erinnerung zu überlassen und es sich so in erinnernder Narrativität und narrativer Erinnerung immer wieder vergegenwärtigen kann, ohne von ihm überwältigt zu werden […]. […] [D]ass sich die großen Geister aller Zeiten über die Epochen […] hinweg in einer Art ‚Gelehrten-Republik‘ verständigen und in einer geistigen Welt eine kulturelle Kontinuität der Gedanken leben, ist als Quintessenz des Unhistorischen zu verstehen, als Idealbild eines Umganges mit Historie […].[23]

Der tugendhafte Mensch schwimmt Nietzsche zufolge immer gegen die „geschichtlichen Wellen“[24] an. Es lässt sich darum vermuten, dass in dieser Gegenbewegung grundsätzlich eine Konstellation verborgen ist, eine Position, der Nietzsche besondere Qualität zuspricht. Es ist eine Position, die sich im Abseits befindet, die eben durch die Verweigerung eines Aufgehens in den herrschenden Diskursen der Zeit einen besonderen Blick auf jene ermöglicht. Giorgio Agambens Nietzsche-Lektüre in Rückgriff auf Roland Barthes setzt den Begriff der Zeitgenossenschaft an diese Stelle:

Der Gegenwart zeitgenössisch, ihr wahrhaft zugehörig ist derjenige, der weder vollkommen in ihr aufgeht noch sich ihren Erfordernissen anzupassen versucht. Insofern ist er unzeitgemäß; aber ebendiese Abweichung, dieser Anachronismus erlauben es ihm, seine Zeit wahrzunehmen und zu erfassen.[25]

Soviel zur Folie. Wie lässt sich Lenz nun darin spiegeln? Mit Blick auf die zu Beginn erwähnte Quellenlage und die Kritik an der bestehenden Ausgabe der Werke und Briefe von Sigrid Damm[26] lässt sich das Unzeitgemäße zuerst in einem editorischen Problem Lenzens suchen. Andrea Krauß liest dieses Problem in einem produktiven Sinne, da die Methode des Zugriffs bei einem sich gleichermaßen entziehenden Gegenstand ständig neu befragt werden muss:

[D]iese schwierige Materiallage des lückenhaften, brüchigen Werks [bringt] einen bestimmten, sagen wir: darstellungskritischen Zugewinn: Sie zwingt die Editoren zu fortlaufender Selbsterklärung, zum Kommentar des Kommentierens, zum Eingeständnis der Grenzen des eigenen Tuns, zur beständigen Revision der editorischen Aufgabe.[27]

Gerade in der problematischen Verfasstheit des Nachlasses Lenzens wird die Forderung deutlich, immer wieder das eigene (editorische) Tun zu befragen und von angenommenen Selbstverständlichkeiten Abstand zu nehmen, sich außerhalb der Zeit zu stellen und neu zu überlegen, was gesagt werden kann und was dunkel bleiben muss. Angesichts dieser Dunkelheit, die im Lesen der Lenz’schen Texte auf mehreren Ebenen liegt, schlagen sowohl Judith Schäfer[28] als auch Andrea Krauß[29] eine ‚unendliche Lektüre‘ als Methode des Zugangs vor. Lenz’ Texte lassen sich dann mit jedem Lesen anders durchschreiten, sei es, dass ein anderer Zugang gewählt oder im Weg durch den Text eine andere Richtung eingeschlagen wird. Nach jedem Lesen ergibt sich eine zumindest leicht veränderte Erkenntnis über/durch den Text. Aufsummiert ergeben diese aber keine vollständige Erkenntnis, da es sich um einen nicht endenden Prozess handelt und es kein vollständiges Wissen über die fragmentarischen Schriften Lenzens geben kann. An dieser Stelle tritt also wieder das Fragment auf, das Fragment als Ereignis im Sinne Jean-Luc Nancys, in Abgrenzung zum Fragment als ‚Gattung‘.[30]

Diesem Fragment – Fragmentierung, sagt Nancy auch – wohnt ein „Ereignischarakter“ inne. Es sei ein „Sich-Ereignen der Darstellung“, eine „Bahnung eines Zugangs zur Darstellung, […] ihre sich anbahnende Präsenz“ – aber, anders als das Fragment als Gattung, eben keine Darstellung von etwas. […] Stattdessen ist es die Figur einer bewegten, sich auf einer Schwelle verortenden Öffnung.[31]

Diese Öffnung soll hier vor dem Hintergrund Nietzsches gerade als Öffnung zur Zeit hin, oder im Sinne des ‚Geistergesprächs‘[32] Nietzsches über die Zeiten hinaus verstanden werden.[33] Gerade im Sich-Ereignen des fragmentarischen Textes wird die historische Abgeschlossenheit, die strenge Grenze zwischen den Zeiten aufgeweicht, rückt im Sinne Nietzsches ein Erleben von Historie näher, wird die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen greifbarer. Weiter auf Nietzsche eingehend, liegt in der Öffnung des Fragments sowie in der unendlichen Lektüre dann auch eine grundsätzliche Verweigerung gegenüber teleologischen Bemühungen: Ein unendlicher Prozess, der eben kein Ziel hat, zu dem sich ‚hinentwickelt‘ wird, sondern der immer wieder neu zu durchlaufen ist und bei dem sich unterschiedliche Lesarten gleichwertig gegenüberstehen, ist für solche Ansätze unbrauchbar. Ein nicht abschließbares Fragment der Öffnung reißt eine Lücke in den sukzessiven Ablauf der teleologisch aufeinanderfolgenden Zeiten. Lenz’ Schreiben ist aber mehr als nur fragmentarisch, dunkel oder schwer zu durchdringen. Es ist auch in vielerlei Hinsicht und im besten Sinne frech, bisweilen anmaßend. Johannes F. Lehmann attestiert Lenz einen „Realismus“, ein Streben nach einem Theater, das auf „die Darstellung der Stände zielt, auf die sozialen Rollen und Bedingungen“[34]. Dieser Realismus wird einerseits inhaltlich in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlich brisanten Themen wie Bildung, Erziehung, Sexualmoral sichtbar, die sich (zumindest so, wie Lenz sie verhandelt) der etablierten Form des bürgerlichen Trauerspiels entziehen (Die Soldaten, Der neue Menoza, Der Hofmeister). Andererseits sind auch der Aufbau von Lenzens Stücken und die fragmentarischen Dramaturgien, die sich den aristotelischen Einheiten verweigern, insofern als realistisch zu verstehen, als sie gerade nicht ideal(ist)isch und in ihrer Unwahrscheinlichkeit eben dem Einzelfall des Lebens näherstehen als dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit und des Allgemeinen. Bisweilen scheint Lenz die Arbeit einiger älterer oder zeitgenössischer Dramatiker gar zu persiflieren.[35]
Lenz problematisiert, was er als zeitgenössisches deutsches Theater wahrnimmt, in den Anmerkungen übers Theater:

[E]in wunderbares Gemenge alles dessen, was wir bisher gesehen und erwogen haben, und das zu einem Punkt der Vollkommenheit getrieben, den kein unbewaffnetes Auge mehr entdecken kann. Deutsche Sophokles, deutsche Plautus, deutsche Shakespears, deutsche Franzosen, deutsche Metastasio, kurz alles was Sie wollen, durch kritische Augengläser angesehen und oft in einer Person vereinigt? Was wollen wir mehr. (…) [W]er Ohren hat zu hören, der klatsche, das Volk ist verflucht.[36]

Es sei eben nur eine fälschliche, ja verfälschende Wiedergabe des Alten, das aufgeführt werde. Die Verbindung zu Nietzsches Wort vom Übermaß an Historie, die Mahnung zur Herrschaft des Lebens über die Historie klingt hier an: Die historischen Stoffe haben ein solches Übergewicht erlangt, dass ein deutsches Theater sich unter dieser Last kaum entwickeln kann. Es kann nichts Neues entstehen, oder mit Nietzsche: „aber es giebt einen Grad, Historie [‚historisches‘ Theater] zu treiben und eine Schätzung derselben, bei der das Leben verkümmert und entartet“[37]. Wie bei der Historie liegt hier ein geschlossenes System vor, das nichts Neues entstehen lässt, die alten Stoffe nur einigermaßen kritisch beäugt und dann reproduziert. Es fehlt am Unhistorischen, an Vergessen, Jugend, Leben. In Lenzens scharfer Kritik des deutschen Theaters löst sich auch ein Aspekt von Nietzsches Unzeitgemäßem ein: Es ist eine Bewegung gegen die Zeit, gegen die Konvention.
Was ist das Theater, das Lenz sucht? Das ‚neue‘, ‚deutsche‘ Theater, das Theater des Lebens und nicht der Historie, wie soll es aussehen? Lenz gibt darauf in den Anmerkungen und auch an anderer Stelle keine direkte Antwort, sein Gedankengang bricht ab:

Mit ihrer Erlaubnis werde ich also ein wenig weit ausholen, weil ich solches zu meinem Endzweck – meinem Endzweck? Was meinen Sie aber wohl, das der sei? […] Da ich hier aber kein solches Publikum – so untersteh ich mich nicht, ihnen den letzten Endzweck dieser Anmerkungen, das Ziel meiner Parteigänger anzuzeigen. Vielleicht werden Sie wenn Sie mit mir fortgeritten sind, von selbst darauf stoßen und alsdenn – Wir alle sind Freunde der Dichtkunst […].[38]

Dieses Abbrechen, dieses Verweigern von Eindeutigkeiten tritt mehrfach in den Anmerkungen auf und ist besonders hervorzuheben. Es ist nicht nur ein Stilmittel Lenzens, ein Fragment als Gattung. In der Offenheit des Abbruchs liegt eine konkrete inhaltliche Aussage – gerade die Antwort, die gesucht wird: In der Verweigerung, im Abbruch schimmert ein denkbares Theater durch, das eben diesen Abbruch zulässt. Ein Theater, das dem fragmentarischen Schreiben Raum bieten kann, das sich, der unendlichen Lektüre folgend, immer wieder selbst befragt und in Frage stellt.

Auch diesem Beitrag bleibt nichts übrig, als abzubrechen. Es bleibt zu hoffen, dass er ein Anfang sein kann für ein ‚Geistergespräch‘ zwischen Lenz und Nietzsche. Dabei gilt es nicht nur, Lenz mit Nietzsche, sondern auch Nietzsche mit Lenz zu lesen. Für eine Lesart, in der die Schriften beider Autoren Folie und Spiegelbild zugleich sind, sich ähnlich der unendlichen Lektüre in unendlichen Spiegelbildern ineinander wiederfinden. Ganz im Sinne des Unzeitgemäßen: Gegen die Zeit, auf die Zeit und hoffentlich zu Gunsten einer kommenden Zeit.

  1. Vgl. Johannes Lehmann: „J.M.R. Lenz’ Poetologie einer Gegenwartsdramatik. Die Anmerkungen übers Theater und Der tugendhafte Taugenichts“ in der vorliegenden Thewis-Ausgabe.
  2. „Folie, aus dem Lat. Folium, ein Blatt, ein zu dünnen Blättchen und Blechen geschlagenes Metall, welches man gebrauchet, einen Körper, der sonst das Licht durchfallen läßt, dahin zu bringen, daß er die in ihn einfallenden Lichtstrahlen zurück werfe; Lat. Metallum foliatum, Fr. Feuille. In diesem Verstande nennet man also 1) eine Folie, Spiegelfolie, Fr. Tain, oder Teint, das, vermittelst des Quecksilbers, hinten auf das Spiegelglas gelegte dünne Blättchen von feinem Zinne, welches sonst, und ehe es auf das Spiegelglas gebracht ist, Stanniol heißt“, Krünitz, Johann Georg: „Folie“, in: Ders.: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft. 242 Bände. Berlin 1773-1858, Bd. 14, S. 441.
  3. Zit. n. Schäfer, Judith: »… da aber die Welt keine Brücken hat …«. Dramaturgien des Fragmentarischen bei Jakob Michael Reinhold Lenz. Paderborn 2016, S. 15.
  4. „Das Fragmentarische muss keiner Logik folgen, sich keiner sukzessiven, hierarchischen Struktur unterordnen. Gerade in Sprüngen, (Ab-)Brüchen, scheinbar Zufälligem, im Umherschweifenden, im Labyrinthischen und unkontrolliert Wuchernden bildet es einen Wirklichkeitszugang ab, der im systematischen Diskurs nicht darstellbar wäre. Das Fragmentarische zeigt das uneinholbar Kontingente der Welt in ‚Form der Unterbrechung‘. Es hat darum immer auch mit Zeitlichkeit, Vergänglichkeit, Wandelbarkeit zu tun.“ Ebd., S. 46.
  5. Dies reflektieren unter anderen Heribert Tommek in seiner Herausgabe der Moskauer Schriften (Lenz, Jacob Michael Reinhold: Moskauer Schriften und Briefe. Textband und Kommentarband. Hg. von Heribert Tommek. Berlin 2007) und Andrea Krauß, die über diese Schriften anmerkt, sie seien „vorschnell der ‚Krankheitsphase‘ eines vermeintlich wahnsinnig gewordenen Lenz zugerechnet“ worden. Krauß, Andrea: Lenz unter anderem. Aspekte einer Theorie der Konstellation. Zürich 2011, S. 60.
  6. Tommek, Heribert: „Wie geht man mit den Moskauer Schriften von Lenz um? Skizze eines Editionsprojektes und eines literatursoziologischen Kommentars“, in: Stephan, Inge/Winter, Hans-Gerd (Hg.): „Die Wunde Lenz“. J.M.R. Lenz: Leben, Werk und Rezeption. Bern 2003, S. 55-78, hier S. 65.
  7. Gemeint sind hier u.a. der Stil eines wissenschaftlichen Vortrages oder einer Abhandlung, der in den Anmerkungen übers Theater immer wieder gebrochen wird, und das Verweigern von Konventionen wie den drei aristotelischen Einheiten in einem Drama wie Der Hofmeister.
  8. Zum Begriff der Groteske vgl. Rosen, Elisheva: „Grotesk“ [Art.], in: Barck, Karlheinz et al. (Hg.): Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden. Stuttgart/Weimar 2001, S. 876-900.
  9. Dass z.B. Lenzens Räume die Möglichkeiten der Bühnen seiner Zeit sprengen und wie untypisch die Struktur der Raumsituation im Pandämonium ist, zeigt Viviane Hoof in ihrem Beitrag Räume in Bewegung. Zur Konzeption der Schauplätze in Lenz’ Dramen in der vorliegenden Thewis-Ausgabe.
  10. Zur Rezeptionsgeschichte Lenzens siehe z.B. Stephan, Inge/ Winter, Hans-Gerd (Hg.): „Ein vorübergehendes Meteor“? J.M.R. Lenz und seine Rezeption in Deutschland. Stuttgart 1984, Luserke, Matthias (Hg.): Jakob Michael Reinhold Lenz im Spiegel der Forschung. Hildesheim u.a. 1995 sowie Müller, Peter (Hg.): Jakob Michael Reinhold Lenz im Urteil dreier Jahrhunderte: Texte der Rezeption von Werk und Persönlichkeit. Bern u.a., Bd. I-III 1995, Bd. IV 2005. Zur ‚Rehabilitation‘ des Fragmentarischen siehe Krauß und Schäfer (vgl. Fn. 4 u. 6.).
  11. Lenz, Jakob Michael Reinhold: „Über Götz von Berlichingen“, in: Lenz, Jakob Michael Reinhold: Werke und Briefe in drei Bänden. Hg. von Sigrid Damm. München/Wien 1987, Bd. 2, S. 637-641, hier S. 637, [im Weiteren: WuBr 1-3]. Auch Nietzsche bemüht bisweilen, ähnliche Motive in seiner Auseinandersetzung mit Ökonomie und Bildung: „Das heisst eben doch nur: die Menschen sollen zu den Zwecken der Zeit abgerichtet werden, um so zeitig als möglich mit Hand anzulegen; sie sollen in der Fabrik der allgemeinen Utilitäten arbeiten, bevor sie reif sind, ja damit sie gar nicht mehr reif werden – weil dies ein Luxus wäre, der ‚dem Arbeitsmarkte‘ eine Menge von Kraft entziehen würde.“, Nietzsche, Friedrich: „Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben“, in: Ders.: Digitale Kritische Gesamtausgabe.Werke und Briefe. Auf Grundlage der Kritischen Gesamtausgabe Werke. Hg. v. Colli, Giorgio/Montinari, Mazzino. Berlin/New York, 1967 ff. und Nietzsche Briefwechsel Kritische Gesamtausgabe. Berlin/New York, 1975ff. Hg. v. D’Iorio, Paolo. [im Folgenden eKGWB; o.S.] unter http://www.nietzschesource.org/#eKGWB vom 27.05.2018. Die eKGWB wird von Paolo D’Iorio herausgegeben und von Nietzsche Source publiziert. Da diese Quelle dem wissenschaftlichen Anspruch genügt sowie wegen ihrer Aktualität und der Anwenderfreundlichkeit, wurde sich für diese digitale anstatt einer analogen Gesamtausgabe entschieden.
  12. Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik, Unzeitgemässe Betrachtungen, Erstes Stück: David Strauss der Bekenner und Schriftsteller. Siehe zur Rezeption in der Altphilologie u.a. Ottmann, Henning (Hg.): Nietzsche Handbuch. Stuttgart 2000, S. 428-429.
  13. Jedenfalls kann der Versuch einer Selbstkritik, der der Erstlingsschrift Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik oder Pessimismus und Griechentum bei ihrer Neuveröffentlichung vorangestellt ist, so gelesen werden, da die Unzeitgemässen Betrachtungen in eine ähnliche Schaffensphase wie die Tragödienschrift fallen und viele begriffliche Ähnlichkeiten diese Kritik nahelegen. Vgl. Nietzsche, Friedrich: „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik oder Pessimismus und Griechentum“, in: eKGWB; o.S.
  14. Diese Rezeption findet sowohl in der Literatur als auch in der Wissenschaft statt. So beziehen sich direkt Ernst Troeltsch in seinen Überlegungen zur Krise des Historismus, aber auch z.B. Robert Musil in Das hilflose Europa oder Reise vom Hundertsten ins Tausendste sowie in seinem Roman Der Mann ohne Eigenschaften explizit und implizit auf Nietzsches zweite Unzeitgemässe Betrachtung. Vgl. dazu Oexle, Otto Gerhard: „Krise des Historismus – Krise der Wirklichkeit. Eine Problemgeschichte der Moderne“, in: Ders. (Hg.): Krise des Historismus – Krise der Wirklichkeit. Wissenschaft, Kunst und Literatur 1880-1932. Göttingen 2007, S. 11-116, hier S. 13 f. Auch Paul Celan scheint der Schrift einige Aufmerksamkeit gewidmet zu haben, vgl. Wergin, Ulrich: „‚Gespräch im Gebirg‘. Celan gibt Büchners ‚Lenz‘ mit Nietzsche zu lesen“, in: Stephan, Inge/Winter, Hans-Gerd (Hg.): Zwischen Kunst und Wissenschaft. Jakob Michael Reinhold Lenz. Bern 2006 S. 197-212.
  15. Vgl. Oexle: „Krise des Historismus – Krise der Wirklichkeit“, S. 13.
  16. Greif, Stefan: „Idealismus, deutscher“ [Art.], in: Nünning, Ansgar (Hg.): Metzler Lexikon Literatur und Kulturtheorie. Stuttgart 2013, S. 318-320, hier S. 320.
  17. Interessanterweise taucht hier das Fragmentarische als bezeichnend für das Denken und Handeln des Menschen auf. Dieses ist aber im Kontext des Idealismus so zu verstehen, dass gerade in der Unvollkommenheit das vollkommene Ganze, das Ziel angekündigt werde. Es ist zu unterscheiden vom Fragmentarischen, das Schäfer bei Lenz mit Rückbezug auf das Fragment als Ereignis bei Nancy findet, insofern, als es bei Hegel in seiner Fragmentiertheit nur auf ein abwesendes Ganzes verweist und sich damit gleichermaßen wieder verschließt, die radikale Öffnung nicht zulässt. Hier liegt eine Analogie zum Fragment in der Romantik. Vgl. Schäfer: »… da aber die Welt keine Brücken hat …«, S. 35 ff.
  18. Nietzsche: „Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben“, in: eKGWB; o.S.
  19. Für eine genauere Untersuchung der Termini vgl. Jensen, Anthony K: „Geschichte or Historie? Nietzsche’s Second Untimely meditiation in the Context of Ninteenth Century Philological Studies”, in: Dries, Manuel (Hg.): Nietzsche on Time and History, Berlin/New York 2008, S. 213-229.
  20. Nietzsche: „Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben“, in: eKGWB; o.S.
  21. Nietzsche unterscheidet zwei Triebe: das Unhistorische und das Überhistorische. Ersterer wird als tierischer Trieb des Vergessens beschrieben, als eine Art Gegenkraft zum menschlichen Verlangen, Historie zu betreiben, Dinge festzuhalten, zu archivieren, weiterzugeben. Die überhistorische Position ist die eines Genies, dessen Wahrheiten und Erkenntnisse universell sind, losgelöst vom Lauf der Zeit und somit von den historischen Bemühungen der Menschen. Diese Position erscheint erstrebenswert und man könnte meinen, Nietzsche würde sich selbst in selbiger sehen. Dem ist aber nicht so: Er distanziert sich klar vom überhistorischen Betrachter, den nichts mehr etwas angeht und der sich vor der Trivialität der wiederkehrenden menschlichen Fragen an das Leben und die Welt ekelt.
  22. Nietzsche: „Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben“, in: eKGWB; o.S.
  23. Reschke, Renate: „‚[…] dass die Weisen aller Zeiten unhistorisch gedacht haben‘. Friedrich Nietzsche über Weisheit, Historie und Medien“, in: Gerhardt, Volker/Dies. (Hg.): Friedrich Nietzsche. Geschichte, Affekte, Medien, Berlin 2008: S. 21-40, hier S. 29.
  24. Nietzsche: „Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben“, in: eKGWB; o.S.
  25. Agamben, Giorgio: „Was ist Zeitgenossenschaft?“, in: Ders.: Nacktheiten. Frankfurt am Main 2010, S. 21-35, hier S. 22.
  26. Vgl. Babelotzky, Gregor: „Die Handschriften der Dramen, das Drama der Handschriften“. Unveröffentlichter Vortrag im Rahmen des Symposiums Lenz-Herbst, Theater an der Ruhr (Mülheim), 9.Oktober 2016 sowie Ders, /Schäfer, Judith: „Zur kritischen Edition von Lenz’ dramatischen Entwürfen und Notizen“, in: Roßbach, Nikola/ Martin, Ariane/Schulz, Georg-Michael (Hg.), Lenz-Jahrbuch 21 (2014) – Literatur – Kultur – Medien 1750-1800. St. Ingbert 2014, S. 159-163.
  27. Krauß: Lenz unter anderem, S. 52 f.
  28. Schäfer: »… da aber die Welt keine Brücken hat …«, S. 50.
  29. Krauß: Lenz unter anderem, S. 59.
  30. Analog zum Kontext des deutschen Idealismus verweist ein gattungsbedingtes Fragment nur auf ein fehlendes Ganzes und schließt sich damit gleichermaßen selbst wieder ab, nimmt sich die radikale Öffnung. Vgl. Schäfer, »… da aber die Welt keine Brücken hat …«, S. 36 ff.
  31. Schäfer: »… da aber die Welt keine Brücken hat …«, S. 36.
  32. „[E]in Riese ruft dem anderen durch die öden Zwischenräume der Zeiten zu, und ungestört durch muthwilliges lärmendes Gezwerge, welches unter ihnen wegkriecht, setzt sich das hohe Geistergespräch fort.“ Nietzsche: „Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben“, in: eKGWB; o.S.
  33. „Die Unterbrechung erzeugt ein Bewusstsein für Zeitlichkeit. Dadurch wird die Öffnung, die fragmentarische Texte zumeist auf der inhaltlichen Ebene anstreben, auch in der zeitlichen Dimension vollzogen.“ Schäfer: »… da aber die Welt keine Brücken hat …«, S. 46.
  34. Lehmann: „J.M.R. Lenz’ Poetologie einer Gegenwartsdramatik“, vorliegende Thewis-Ausgabe. Rückbezug auf einen Briefwechsel zwischen Lenz und Sophie La Roche.
  35. Hier ist zum Beispiel Der neue Menoza gemeint: In der siebten Szene des zweiten Aktes hält Prinz Tandi um die Hand von Wilhelmine an, eine vermeintlich klassische Szene des bürgerlichen Trauerspiels. Der rasche Wechsel von Gefühlsregungen bei allen Beteiligungen, die häufig auftretenden Ohnmachten und der sprunghafte Charakter des Herrn v. Biederling lassen an eine satirische Lesart denken. Vgl. dazu auch Sebastian Bös: „Lenz’ ‚Der neue Menoza‘ an den Fäden der Marionette“. Unveröffentlichter Vortrag im Rahmen des Symposiums Lenz-Herbst, 9. Oktober 2016.
  36. Lenz, Jakob Michael Reinhold: „Anmerkungen übers Theater“, in: WuBr 2, S. 641-671, hier S. 644.
  37. Nietzsche: „Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben“, in: eKGWB; o.S.
  38. Lenz: „Anmerkungen übers Theater“, in: WuBr 2, S. 644 f.
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